Familie & Bildung

Der „Berliner Mitte“ geht es um einen ideologiefreien politischen Ansatz. Wir wollen eine Politik der Verantwortung, die die Wirklichkeit im Blick hat und die Verantwortbarkeit von Entscheidungen an ihren Folgen misst. Gleichwohl gelten immer die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität.

Kernpunkte für eine bessere Familienpolitik

Familie ist mehr als Vater, Mutter, Kind. Sie ist überall da, wo Eltern für Kinder und Kinder für Eltern Verantwortung übernehmen. In der Familie erfahren wir soziale Bindung und Geborgenheit; wir lernen in der Familie, für andere da zu sein und für andere zu sorgen.

Doch in unserer Gesellschaft ist es, aus verschiedenen Gründen, nicht mehr selbstverständlich, sich für Kinder zu entscheiden. Wer sich für Kinder entscheidet, geht nach wie vor ein wirtschaftliches Risiko ein, denn er ist in zahlreicher Hinsicht gegenüber Kinderlosen benachteiligt. Um diese Gerechtigkeitslücke zu schließen, müssen die Rahmenbedingungen für Familien dringend verbessert werden.

Wer bereit ist, Kinder zu bekommen und zu erziehen, muss sich auf die Solidarität der Gesellschaft verlassen können, denn er leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die Zukunft. So funktioniert der Generationenvertrag, auf dem unser Rentensystem beruht, nur dann, wenn eine ausreichende Zahl von Kindern geboren wird, die wiederum für Rentenbeiträge in der Zukunft sorgen. Die Leistung der Kindererziehung wird aber bei der Rentenhöhe kaum berücksichtigt. Hier muss ein stärkerer Lastenausgleich zwischen Kinderlosen und Eltern erfolgen.

Die Unterstützung durch Hilfsangebote, wie Betreuung, Beratung, Ganztagsschulen, und durch finanzielle Entlastung, wie die Entgeltfreiheit für Kindergärten, Familientarife usw. sind auszubauen. In diesem Zusammenhang wird auch die Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Familiensplitting befürwortet, mit dem die Unterhaltskosten für ein Kind steuerfrei gestellt werden. Die Kosten für die medizinische Betreuung und Behandlung von Kindern sind aus Steuermitteln zu finanzieren (Gesundheitsreform).

Eltern und Kinder haben Rechte und Pflichten. Die vollständige Abhängigkeit gerade kleiner Kinder von ihren Eltern hat eine hohe Verantwortung der Eltern für das Wohl des Kindes zur Folge. Die meisten Eltern kümmern sich liebevoll und mit großem Einsatz um ihre Kinder. Aber da, wo Eltern ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, muss der Staat die Kinder wirksam schützen.

Durch präventive Hilfsangebote und Maßnahmen kann Vernachlässigung, Verwahrlosung und Misshandlung vorgebeugt werden, aber bei akuter Gefährdung des Kindeswohls ist entscheidend, dass schnell eingegriffen werden kann.

Kernpunkte für eine klare Bildungspolitik

Die Zeit vor der Einschulung muss für die Vorbereitung auf die Schule genutzt werden (Schwerpunkt Sprachförderung). Das neue Bildungsprogramm für den Kindergarten legt hier den Grundstein. Mittelfristig kann die Einführung einer verpflichtenden Form von Vorschule helfen, alle Kinder besser auf die Schule vorzubereiten. Die Einbeziehung der Eltern über die Kita und später in die Schule muss intensiviert und eingefordert werden.

Gerade sozial Schwache brauchen gute öffentliche Schulen und gut ausgebildete Lehrkräfte, um mit den erworbenen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. Die vergleichsweise geringe Leistungsfähigkeit der Berliner Schüler muss gesteigert werden. Dazu dienen auch die eingeführten Vergleichsarbeiten und die zentral gestellten Abschlussprüfungen, die auf definierten Standards beruhen. Umgekehrt stehen die Schulen in der Pflicht, einen hochwertigen Unterricht sicherzustellen.

Ein viel zu großer Teil der Schülerinnen/Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss (12 %), rund 20 % aller Lehrstellenbewerber gelten als nicht ausbildungsfähig, rund 30 % der Azubis brechen die Ausbildung vorzeitig ab. Daher brauchen wir eine stärkere Verzahnung zwischen Schule und Betrieben. Unverzichtbares Grundwissen und –können muss in 10 Schuljahren vermittelt werden, um die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu sichern.

Viele Schüler scheitern in der Schule und später im Beruf auch dadurch, weil sie nicht gelernt haben, sich anzustrengen. Es gelingt offenbar immer weniger, die sog. Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnung usw. zu vermitteln. Damit fehlen die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Wenn dann im Umgang mit den Mitschülern und Lehrern auch noch Höflichkeit und Respekt fehlen, ist ein vernünftiger Unterricht nicht mehr möglich. Eine stärkere Betonung des Erziehungsauftrags könnte seinen Ausdruck darin finden, indem Arbeits- und Sozialverhalten im Zeugnis bewertet werden.

In den letzten 5 Jahren ist die Berliner Schule durch eine Fülle von Veränderungen, die sich gerade in der Umsetzung befinden, reformiert worden. (z. B. Sprachförderung vor der Einschulung, frühere Einschulung, flexible Schulanfangsphase, Fremdsprache ab 3. Klasse, Vergleichsarbeiten, zentrale Abschlussprüfungen, mittlerer Schulabschluss, Abitur nach 12 Jahren, mehr Verantwortung in der Schule vor Ort, Schulprofile usw.). Der eingeschlagene Weg ist richtig, aber manchen Eltern/Lehrkräften gehen die Veränderungen zu schnell und zu weit. Die Umstellungen brauchen aber zunächst Zeit, um zu wirken. Dennoch bleiben noch viele Probleme zu lösen. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Diskussion über die Schulstruktur (längeres gemeinsames Lernen)und die Rahmenlehrpläne zu führen